Daniel de Roulet und Usama Al Shahmani im «Gespräch über Berge»

Die Schriftsteller Usama Al Shahmani und Daniel de Roulet verbindet nicht nur die Liebe zur Literatur, sondern auch eine tiefe Faszination für die Berge. In ihren Texten erkunden sie, wie Landschaften zu Orten der Erinnerung, der Freiheit und der existenziellen Erfahrung werden. An diesem Abend lesen die beiden Autoren aus ihren Werken und sprechen über ihre unterschiedlichen Perspektiven auf die Natur und das Schreiben.

Usama Al Shahmani, der im irakischen Nasirija aufwuchs, schildert in seinem Text Wo der Tod aufhört, beginnt der Gletscher die Berührung mit einer fremden, überwältigenden Natur. Für ihn ist das Verhältnis zur Natur auch eine Frage der kulturellen Prägung: In seiner Heimat wurde die wilde Landschaft eher als gefährliches, chaotisches Gegenstück zur zivilisierten Welt empfunden. Wandern, sagt Shahmani, setze das Konzept von Freizeit und Entspannung voraus – Begriffe, die sich in Europa historisch entwickelt haben, anders als im Irak, wo Naturbegegnungen oft mit Gefahr oder Misstrauen verbunden sind.

Daniel de Roulet liest aus der Neuauflage seines Romans Ein Sonntag in den Bergen – einer literarischen Auseinandersetzung mit einem historischen Brandanschlag auf ein Chalet hoch über Gstaad. De Roulet erzählt von der Politisierung der Naturerfahrung in Zeiten des Kalten Krieges und davon, wie Berge nicht nur Schauplätze innerer Einkehr, sondern auch von Schuld, Ideologie und Hoffnung sein können.

Im Gespräch wird deutlich, wie unterschiedlich, aber auch wie universell die menschliche Beziehung zur Natur ist – und wie Literatur helfen kann, diese Vielfalt erfahrbar zu machen.