little hollywoodLeo lebt mit ihrer Mutter und ihrem kleinen Bruder auf engstem Raum. Ab und an kreuzt ihr gewalttätiger Vater auf, um mal wieder alle zu bedrohen. Dass sie nach dem Abi weg will, gesteht sie ihren Liebsten erstmal nicht. Und dann fängt dieser lange, letzte Sommer an: eine scheinbar endlos lange, schulfreie Zeit, in der eine Party die nächste jagt, man auf dem Fahrrad durch die Sommerhitze prescht, den Wind im Haar, den Song im Ohr hat.
Inga Hanka beschreibt diese bittersüsse Stimmung am Umbruch eines jugendlichen Lebens sehr authentisch und extrem sinnlich: auch deshalb wird man als Leserin sofort zurückgeworfen. In die eigene Jugend, in diese Zeit zwischen Freiheit und Zukunftsangst, in der alles gleichzeitig möglich und überwältigend erscheint.
Die sehr überzeugenden Schilderungen von Leos Liebesleben, Enttäuschungen und zarten Annäherungen sind so authentisch geschildert, dass man am liebsten kreischen und quietschen mag vor Vergnügen: wie bedeutungsschwer wird die Berührung zweier kleiner Finger, wenn es das erste Mal passiert!
Little Hollywood, die Videothek an der Ecke, wird dabei zu einem kleinen Zufluchtsort, an dem Leo sich zwischen Filmen, Gesprächen und Sommerabenden treiben lassen kann. Gleichzeitig entfaltet der Roman eine sehr überzeugende Familiendynamik, die zeigt, wie eng Nähe, Konflikt und Loyalität miteinander verbunden sein können.
Ein Roman, der perfekt zum Frühling und beginnenden Sommer passt: sehr gute Unterhaltung, ohne auch nur ansatzweise doof oder platt zu sein, eine sauber erzählte und überzeugende Geschichte. Well done!
AutorIn: Inga Hanka
Verlag: ecco