DamentourVielleicht beginnt Veränderung genau in dem Moment, in dem man aufhört, sich zu fragen, wie alt man eigentlich ist - und stattdessen wieder fragt, wie man leben will? «Damentour», die Fortsetzung von «Damenprogramm», erzählt von fünf Frauen im Tessin, die genau das tun: leben. Und zwar klüger, ungeschönter und überraschender, als sie selbst es erwartet hätten.
Was mich an diesem Roman besonders berührt hat: Das Älterwerden ist zwar schon ein Thema, aber längst nicht das wichtigste. Je länger die Frauen miteinander im Sommerhaus verbringen, desto deutlicher spüren sie, dass das Leben selbst viel mehr Raum verlangt als die Klischees, die man älteren Frauen gern zuschreibt. Nach und nach verabschieden sie Mythen, Rollenbilder, Erwartungen. Stattdessen widmen sie sich Dingen, die sie schon immer angehen wollten - oder solchen, die sie sich nie zugetraut haben. Und in diesem prüfenden Blick zurück sind sie oft selbst erstaunt über das, was sie entdecken, nicht zuletzt auch in Bezug auf die eigenen Bedürfnisse.
Wie behutsam Theres Roth-Hunkeler diese Entwicklung erzählt, mochte ich sehr. Es ist ein Buch des langsamen, manchmal stockenden Sich-Erzählens aus unterschiedlichen Perspektiven, des Schweigens und Verschweigens, des Fragen und Zuhörens. Aus dieser Mischung entsteht etwas, das vielleicht die Essenz von Freundschaft ist: ein Raum, in dem man sich zumutet und zugleich gegenseitig hält. Natürlich bleiben Konflikte nicht aus - aber gerade sie lassen die Frauen einander und sich selbst schärfer sehen.
Am Ende dieser drei Monate im Tessin ist vieles nicht mehr wie zuvor. Und man legt das Buch aus der Hand mit dem Gefühl, dass Veränderung nicht nur möglich ist, sondern unerwartet leicht, wenn man sie gemeinsam trägt.
AutorIn: Theres Roth-Hunkeler
Verlag: Edition Bücherlese