Der Junge aus IlocosBlaise Campo Gacoscos' Debütroman Der Junge aus Ilocos ist eine Entdeckung. Auf nur 150 Seiten entfaltet er ein halbes Leben - und die Gegenwart der Philippinen. Acht Episoden, durchzogen von Sprüngen und Leerstellen, lassen Raum für das Unsagbare und für die Fantasie der Leserin.
Im Zentrum steht Victor, geboren in der Region Ilocos, geprägt von Armut, Religion und dem Fehlen des Vaters. Er wächst behütet und zugleich als Aussenseiter auf - wegen seiner Herkunft und seiner Sexualität. Später zieht es ihn nach Manila, wo er als Klatschreporter Einblicke in das Leben der Reichen erhält, während er selbst in ärmlichen Verhältnissen lebt.
Gacoscos zeigt die Spannungen zwischen Tradition und Moderne, Kolonialismus und Globalisierung, Nähe und Distanz. Englisch, Tagalog und Ilocano stehen selbstverständlich nebeneinander - wie im Leben selbst. Besonders stark sind die poetischen Bilder, etwa wenn die Capiz-Fenster zu Behältnissen für Erinnerungen werden, in denen ganze Lebensgeschichten aufscheinen.
Dieser Roman ist ein Werk des Unausgesprochenen. Vieles bleibt offen, vieles unausgesprochen - und genau darin liegt seine Kraft. Der Junge aus Ilocos ist kein linearer Entwicklungsroman, sondern eine kunstvolle Composite Novel, die in der Tradition der Kurzgeschichte steht. Ein Buch, das von Mangel erzählt - an Liebe, Freiheit, Sicherheit - und zugleich von dem unbedingten Versuch, die Welt besser zu denken.
AutorIn: Blaise Campo Gacoscos
Verlag: Albino
ÜbersetzerIn: Andreas Diesel