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Julia Knapp
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julia_knapp_literatur_buehne

Literatur als Erlebnis | Zürich
Novitätenschauen, Moderationen, szenische Lesungen
für Bibliotheken & Kulturinstitutionen

Ehm sorry… ich bin grade beschäftigt! #buchliebe # Ehm sorry… ich bin grade beschäftigt! #buchliebe #lesenistliebe #booktok #bookstagram #buchliebe❤📖
„In Bloom“ - vielen dürfte der Song von Nirvana ei „In Bloom“ - vielen dürfte der Song von Nirvana ein Begriff sein, und genau daher stammt auch der Titel von Liz Allans Debüt. Passend dazu: die vier Freundinnen, um die sich alles dreht, sind glühende Nirvana-Fans. Zusammen gründen sie ihre eigene Band, „The Bastards“ - ihr Fluchtweg aus einer Kindheit zwischen Armut, abwesenden Vätern und überforderten Müttern, irgendwo in der australischen Provinz der Neunziger. Ihr grosser Traum: der überregionale Bandwettbewerb. Ermöglicht wird er ihnen von ihrem Musiklehrer - bis Leadsängerin Lilly nicht nur aus der Band aussteigt, sondern eben diesem Lehrer vorwirft, sie missbraucht zu haben. Von da an bricht für die drei alles auseinander. Was folgt, erzählt Liz Allan schonungslos und ohne Umwege: wie wenig Schutz diese Mädchen tatsächlich haben, wenn die Erwachsenen um sie herum wegsehen oder selbst Teil des Problems sind. 
Zu Beginn erzählen die drei praktisch im Chor, ohne eigene Stimme, ohne eigenes Gesicht. Erst als alles zusammenbricht, gibt ihnen die Autorin Namen - und plötzlich sind es drei eigenständige, glaubwürdige Charaktere. Sprachlich ist „In Bloom“ knapp und konsequent auf den Punkt erzählt, ganz ohne Umschweife. Und am Ende bleibt vor allem die Erkenntnis, wie verletzlich diese drei sein können, so hart sie sich auch nach aussen geben. Ein elektrisierendes Debüt. Absolute Lese-Empfehlung! @unionsverlag @lizallanwriter #frauenlesen #buchliebe❤📖 #lesetipp
Die KI braucht 0,3 Sekunden. Die Übersetzerin brau Die KI braucht 0,3 Sekunden. Die Übersetzerin braucht drei Tage. Und nur eine von beiden weiss, wann aus «you» ein «du» wird.
Heute ist Internationaler Übersetzertag. Danke an alle, die Bücher nicht nur übertragen, sondern neu schreiben. Nennt eure Lieblingsübersetzer:innen in den Kommentaren, damit sie heute gesehen werden.#TagderÜbersetzer #Übersetzen #LiterarischesÜbersetzen #Buchmenschen #Bookstagram
Ich habe Tränen gelacht bei diesem Buch: Der jüngs Ich habe Tränen gelacht bei diesem Buch: Der jüngste Spross einer Berner Adelsfamilie, die durchgeknallter nicht sein könnte, vermasselt es auf allen Ebenen. Sein genialer Geiger-Bruder ist ihm um Längen voraus, die Künstlermutter enttäuscht und der Patron genauso. Bleibt nur eins: er muss zwingend zum Held werden – aber wie geht das, wenn man doch eigentlich ein zögerlicher und schüchterner Kerl ist? Linder schreibt unglaublich witzig - Unterhaltung und Humor vom Feinsten: dieses Buch macht Spass! @keinundaberverlag @lukaslinderlinder #schweizerliteratur #lesetipp #buchliebe #booktok
Jedes Jahr muss ich ein Festival neu erfinden. Die Jedes Jahr muss ich ein Festival neu erfinden. Diesmal mit Tschechien!
Die Zofinger Literaturtage begrüssen dieses Jahr Autorinnen und Auotoren aus Tschechien. Vom 16-18. Oktober kannst Du Klára Vlasáková, Alice Horáčková, Petr Hanel, Lucie Faulerová, Radka Denemarková und Ondřej Cikán live erleben! Alle Infos unter literaturtagezofingen.ch @literaturtage_zofingen @diogenesverlag @frankfurter_verlagsanstalt @ketosverlag @hoffmannundcampeverlag @nagel_und_kimche @klaravlasak @klub_psacu @luciefaulerova @radkadenemarkova @alice.horackova  #bookstagramswitzerland #literaturfestivalschweiz #zofingen @stadt_zofingen @stadtbibliothekzofingen @kultur.zofingen
Hyun zieht bei Alin ein, nachdem sich die beiden g Hyun zieht bei Alin ein, nachdem sich die beiden genau einmal online gesehen haben. Alin ist Kunstkritikerin, gerade getrennt, mit einem Zimmer zu viel in ihrer Zürcher Wohnung. Hyun kommt aus Südkorea, im Auftrag des Militärs, für einen Job in „Cyber Security“. Die beiden teilen sich Bad und Küche und bleiben sich trotzdem fremd. Fast täglich kommen neue Elektrogeräte an, und Hyun schläft kaum, isst kaum, arbeitet, als gäbe es sonst nichts. Irgendwann bittet Hyun: „Please, don’t write about me.“ Vielleicht, weil sie mit ihrem Job längst hätte herausfinden können, dass Alin genau das schon tut.
Renata Burckhardt lässt ihre zwei Frauen einander beobachten, ohne dass sie sich wirklich austauschen, und genau daraus wächst bei beiden eine Erkenntnis über das eigene Leben. An einer Stelle heisst es über Hyun: „Der innerste Punkt einer Dartscheibe“ - so präzise sind die Bilder in diesem Buch. Der Roman ist flüssig geschrieben, mit Rückblenden, aus denen sich das ganze Bild erst nach und nach zusammensetzt. Marlene Streeruwitz nennt es „Glücksforschung“, und ich verstehe, warum: Man taucht ein und vergisst für eine Weile die eigene Welt.

Es geht ums Vorankommen-Wollen, ums Alleinsein trotz Nähe, um die Frage, was ein gelungenes Leben eigentlich ausmacht. Und ganz nebenbei auch darum, wohin unsere globalisierte Gesellschaft eigentlich unterwegs ist. Renata Burckhardt kennt man bisher vor allem als Bühnenautorin und Kolumnistin, „Verrat an Hyun“ ist ihr Debüt als Romanautorin. Defintiv eine Lese-Empfehlung! @atlantis_literatur @renata.burckhardt #lesetipp #frauenlesen #booktok #schweizerliteratur
Hand aufs Herz: Welchen Klassiker hast Du noch nie Hand aufs Herz: Welchen Klassiker hast Du noch nie gelesen? 
Ich fange mal mit der Geständnisrunde an: Der Zaubergerg. x-fach versucht, immer wieder abgebrochen. Und bei Dir? #lesenistliebe #klassikerlesen #kompetenztapete
Juhu ich bin mit meinem neuen Herbstprogramm unter Juhu ich bin mit meinem neuen Herbstprogramm unterwegs und präsentiere meine persönliche Auswahl an den spannendsten, besten, interessantesten undüberraschendsten Neuerscheinungen des Herbstes. Ende November und Anfang Dezember habe ich noch freie Termine – ich komme mit meiner Novitätenschau gerne auch in Ihre Bibliothek! #bookstagramswitzerland #literaturaufderbühne #lesenistliebe #bibliosuisse #bibliothek
In María Agúndez‘ Roman „Saubere Häuser“ ist die P In María Agúndez‘ Roman „Saubere Häuser“ ist die Progagonistin Sol jung und progressiv, aber vor allem: besessen von Sauberkeit. Als sie schwanger wird, engagiert sie nicht eine, sondern gleich zwei Putzfrauen, natürlich beide Frauen, natürlich unterbezahlt. Von da an wird ihr eigenes Leben zum Spiegel: Sol erkennt ihre Doppelmoral in jeder Ecke, die die beiden für sie wischen. Ihr Freund hat einen anstrengenden Filmjob und kommt trotzdem meistens gut gelaunt nach Hause, im Haushalt kann er reparieren, aber putzen wird für ihn erst zum Thema, wenn Sol es dazu macht. Kommt eine der Putzfrauen tatsächlich vorbei, überkommt ihn ein leichtes Unbehagen, und er verschwindet lieber aus der Wohnung.
Dann kommt das Baby, und plötzlich teilt sich die Welt in eine häusliche und eine ausserhäusliche Sphäre, in der auf einmal alles neu verhandelt werden muss. Auch bei Sols herrischer Oma geben sich die Pflegerinnen die Klinke in die Hand, manche gehen so gebrochen wieder, dass ihr Freund ihnen kurzerhand ein One-Way-Ticket nach Honduras bucht. Problem gelöst, zumindest aus seiner Sicht. Erzählt wird das alles nicht über grosse dramatische Wendungen, sondern über viele kleine Szenen und Reibungspunkte, aus denen sich langsam ein ganzes Bild ergibt. Genau das macht den Reiz aus: Man merkt, wie sehr die häusliche Sphäre voller Spannung steckt, auch wenn auf den ersten Blick wenig passiert.
Es ist herrlich unangenehm, Sol dabei zuzusehen, wie sie zwischen Scham über die eigenen Privilegien und Bevormundung hin- und herspringt. Wie sie den beiden Frauen unbedingt zeigen will, dass sie die Babykleider ja auch gebraucht kauft - nur der Kinderwagen, der war neu, für 1200 Euro. Nirgendwo wird belehrt oder moralisiert, stattdessen bekommen die Figuren Raum für ihre Widersprüche und Marotten. Am Ende bleibt eine Frage, die weit über Sols Wohnung hinausreicht: Wer putzt eigentlich bei der Frau, die bei mir putzt? Manches an diesem spanischen Alltag lässt sich nicht eins zu eins auf die Schweiz übertragen, eines aber schon: Putzen gilt fast überall immer noch als Frauensache. @eichborn #lesetipp #frauenlesen #booktok #bookstagram @eichbornverlag @marigundez
Hast Du Dir schonmal überlegt, wem deine Bewunderu Hast Du Dir schonmal überlegt, wem deine Bewunderung eigentlich wirklich gelten sollte? Genau darum geht es in „Der gute König“ - wer hat das, was wir toll finden, eigentlich wirklich erschaffen? 
Fansi ist gelernter Handwerker und gerät über einen Auftrag in einer Werkstatt bei Frankfurt mitten hinein in den grossen Kunstbetrieb: Er baut ein Werk von Jeff Koons mit, einen riesigen Blumenstrauss aus Metall, der an die Terroropfer von 2015 in Paris erinnert, und reist am Ende sogar selbst dorthin, um es aufzustellen. Tausende Arbeitsstunden von ihm und seinen Kollegen stecken in diesem Kunstwerk. Bekannt wird am Ende trotzdem nur ein einziger Name - der des Künstlers. Der das riesige Objekt nie hätte selbst bauen können, weil er das Handwerk nicht beherrscht.

Leonhard Hieronymi erzählt ausgesprochen süffig und flüssig von den beiden Seiten dieser Welt. Man folgt Fansi von der ersten Seite an gern, er ist ein zutiefst sympathischer Protagonist. Das Buch ist eine Milieustudie, die witzig und traurig zugleich ist und die, allein schon wegen der eigenen Biografie des Autors, ziemlich nah an der Realität sein dürfte. Ein Buch, das grosse Fragen stellt, ohne je schwer zu wirken. Leicht gelesen, unterhaltsam, und trotzdem nie platt. Lest es, es macht Spass! @hoffmannundcampeverlag #lesetipp #bookstagram #buchliebe❤📖
Herzliche Einladung! Es würde mich freuen, dich be Herzliche Einladung! Es würde mich freuen, dich bei der ein oder anderen Veranstaltung begrüssen zu dürfen! #literaturaufderbühne #leseliebe #buchveranstaltung
Wer kennts? 😅#buchmenschen @buchbon.ch #lesenistli Wer kennts? 😅#buchmenschen @buchbon.ch #lesenistliebe
Ihr Grossvater wollte einst nach Amerika auswander Ihr Grossvater wollte einst nach Amerika auswandern, wurde dann aber doch Elektriker in Unterfranken. Ihre Grossmutter sammelt Katzen und Puppen. Die beiden zanken wie Laurel und Hardy, und doch hält ihre Liebe siebenundfünfzig Jahre.

Die Dialoge ihrer Grosseltern, oft im unterfränkischen Dialekt, sind urkomisch. Wenn die Kirchenglocken läuten, weiss die Grossmutter sofort: „Oje! Widder aaner gschdorbe!“ Auch wenn ich oft Tränen lachen musste, verhandelt das Buch ernste Themen:  das Älterwerden natürlich, aber vor allem das alt sein, mal auch mit Demenz, das Abschiednehmen, um das, was bleibt, wenn alles andere verschwindet.
Alexandra Stahl schreibt autofiktional, aber sie seziert nicht sich selbst, sondern ihre Mitmenschen, zuerst die Grosseltern und die Dorfgemeinschaft, dann die Bewohner:innen eines Berliner Altenheims, in dem sie seit vielen Jahren eine wöchentliche Gesprächsrunde anbietet. Frau Bellmann, die Wasserratte vom Werbellinsee. Herr Uhlig, der mit der dänischen Königin Schach spielen will. Frau Schubert mit ihrem scheuen Lächeln.
Ich war sehr berührt davon, wie respektvoll Stahl ihre Grosseltern und die Menschen im Altenheim darstellt, ihnen eine Bühne bietet, ohne sich über sie zu stellen oder zu werten. Katja Oskamp, die Autorin von „Marzahn mon amour“, hat ein Blurb beigesteuert, und das passt: dieselbe Zärtlichkeit, derselbe Respekt.

Ob das nun ein Roman ist? Es sind einzelne Episoden und Sequenzen. Es ist ein einheitliches und zusammenhängendes Buch, aber ein Roman? Wie auch immer man es nennt: extrem lesenswert, mit überraschenden Blicken aufs Alter. Grosse Lese-Empfehlung! @claassenverlag @ullsteinbuchverlage #lesetipp #frauenlesen #grosseltern
Wenn eine Flasche Sekt die einzige angemessene Rea Wenn eine Flasche Sekt die einzige angemessene Reaktion ist ...
Ich wurde in die Literaturkommission der Stadt Zürich berufen. Und ja: Darum juble ich mich. Laut!
Ich freue mich riesig über das Vertrauen und darauf, mich künftig noch stärker für die Literatur in dieser Stadt einzusetzen. Zwischen Büchern, Veranstaltungen, Festivals, Moderationen und Literaturvermittlung ist das für mich eine ziemlich wunderbare neue Aufgabe.

Also: Flasche auf. 🥂

#Literatur #Zürich #Literaturkommission #Literaturvermittlung #Kultur Buchbranche
Ein ganzes Jahrhundert erzählt dieser intime Roman Ein ganzes Jahrhundert erzählt dieser intime Roman über eine Familie aus dem Banat, von Neuanfängen, Heimat, Freundschaft und Liebe. 

Im Mittelpunkt steht Samuel, den wir in sieben Kapiteln durch die Augen je einer anderen Figur erleben – in den Kindheitsjahren durch Eltern und Grosseltern, später durch Freunde und Kollegen. Diese in sich geschlossenen, aber miteinander verwobenen Kapitel fügen sich wie die Teile eines Kaleidoskops zu einem grossen Ganzen, einem schillernden Bild, das man aber nie in Gänze zu fassen bekommt –  so wie auch wir unsere Gegenüber niemals ganz erfassen können. 

Das Erleben von Krieg, Diktatur, Flucht und dem Ende des Kommunismus erzählt Iris Wolff nicht als Historie, sondern als persönliche und menschliche Erfahrung – und das in einer so sinnlichen, leuchtenden Sprache, dass mir beim Lesen immer wieder der Atem stockte. Defintiv eines meiner Herzensbücher! @autorin_iris_wolff @klettcottaverlag  #lesetipp #buchliebe❤📖 #frauenlesen
Vier Aussenseiter, geklautes Drogengeld, ein abgel Vier Aussenseiter, geklautes Drogengeld, ein abgelegenes Haus in Texas – und ein Gepard: Schon das Setting von Jardine Libaires «Dein Herz, ein wildes Tier» ist so ungewöhnlich, dass ich unbedingt wissen wollte, wohin diese Geschichte führt.
Staci und Ray, ein abgehalftertes Paar aus dem Drogenmilieu, der rothaarige Rocker Ernie und die taube junge Coral fliehen nach einer Explosion mit 10’000 Dollar nach Texas. In einem heruntergekommenen Haus versuchen sie, sich vor der Polizei und ihrem ehemaligen Drogenboss zu verstecken. Und ausgerechnet dort, am Ende der Welt, passiert etwas, womit keiner von ihnen gerechnet hat: Diese vier Menschen, die vom Leben nicht gerade verwöhnt wurden, werden langsam zu einer Familie.
Dabei ist das kein sentimentaler Wohlfühlroman. Es wird gestritten, getrunken, gelogen und mit krummen Geschäften Geld verdient. Und dann kommt auch noch ein verwahrloster Gepard ins Haus, zu dem ausgerechnet Coral eine ganz besondere Beziehung entwickelt. Libaire erzählt diese ziemlich wilde Geschichte erstaunlich ruhig und richtet den Blick vor allem auf ihre Figuren: auf ihre Verletzungen und Sehnsüchte, auf Loyalität, Liebe und die Frage, was Menschen füreinander sein können, wenn sonst niemand mehr da ist.
Der Schweizer Literaturkritiker Charles Linsmayer zieht sogar eine Verbindung zu Carson McCullers‘ «Das Herz ist ein einsamer Jäger»: Seit McCullers habe kaum ein amerikanischer Roman aus einer so ungleichen Gruppe von Menschen eine derart innig verbundene Gemeinschaft entstehen lassen. Ein grosser Vergleich – aber ich verstehe, warum er ihn zieht.
Mich hat dieser Roman fasziniert und ich bin sehr drangeblieben. Vielleicht gerade, weil diese Figuren und ihr Leben so weit von meiner eigenen Welt entfernt sind und Libaire sie trotzdem nie zu skurrilen Aussenseiterfiguren ausstellt. Ein rauer, eigenwilliger und gleichzeitig erstaunlich zärtlicher Roman über Menschen am Rand – und darüber, wie unverhofft Zugehörigkeit entstehen kann. Vor allem aber: ganz anders als alles, was ich in letzter Zeit gelesen habe. @diogenesverlag @jardinelibaire #lesetipp #frauenlesen
Vier Bücher. Mehr durfte ich nicht auswählen. Vier Vier Bücher. Mehr durfte ich nicht auswählen. Vier! Für eine Vielleserin wie mich ist das ungefähr so, als müsste man beim Umzug vier Bücher aus dem eigenen Bücherregal retten. 😅
Für die neue Serie „Bücher, die uns ein Leben lang begleiten“ im Orell Füssli Magazin Lesen durfte ich vier Bücher vorstellen, die mir schon lange etwas bedeuten.
Keine Neuerscheinungen. Keine Bücher, die gerade überall auftauchen. Sondern Geschichten, die geblieben sind. Bücher, zu denen man zurückkehrt, die man weiterempfiehlt oder die einem Jahre später plötzlich wieder in den Sinn kommen.
Die Auswahl ist mir entsprechend schwergefallen. Sehr schwer.
Aber: Diese vier haben es geschafft. ❤️📚
Welche Bücher begleiten dich schon seit Jahren? @orellfuessli #buchliebe #lesenistliebe #booktok #bookstagramswitzerland
Seit 45 Jahren reinigt Leonora Bloch die Villa von Seit 45 Jahren reinigt Leonora Bloch die Villa von Dr. Bronstett. Als sie ihn tot auffindet, ermordet, mit abgetrennten Händen, beseitigt sie im Schock mal jede Unordnung im Haus. Dann beginnt sie, selbst zu ermitteln. „Die Auster“ ist kein Krimi, bei dem sich die Handlung überschlägt. Yael Inokai schreibt literarisch hochwertig, mit einem feinen Blick fürs Detail. Es geht ums langsame Verstehen, um die Annäherung an eine Wahrheit, die sich erst nach und nach zeigt und vor allem auch um die Annäherung an die eigenwillige Protagonistin. Nebenbei werden grosse Themen verhandelt - Altersarmut, die Unsichtbarkeit der Dienstleistenden im Milieu der Reichen, Trauer und Verlust, Selbstbestimmung.
Dazu kommt ein Seitenstrang um die Tochter des Ermordeten, der bewusst offen bleibt. Die Autorin spielt dabei mit uns Lesenden: Am Ende wissen wir zwar, wer der Mörder ist, das wird uns aber ziemlich egal sein. Leonora findet unterwegs sehr viel mehr heraus, das der Kripo komplett entgeht. Genau das macht die eigentliche Spannung aus. Mehr wird hier nicht verraten!
Auch Leonoras eigene Lebensgeschichte fächert sich auf. Wir lernen sie kennen, ihre Armut, ihre Widerständigkeit, ihren Stolz und ihren Witz. Und verstehen langsam, wer sie ist und warum sie so ist, wie sie ist. Eine Sympathieträgerin auf den ersten Blick ist sie nicht, aber am Ende des Buches ist es schwer, sie loszulassen.
Extrem süffig geschrieben, klug beobachtet, pointiert erzählt und spannend bis zur letzten Seite. Grosse Lese-Empfehlung! @hanserberlin #lesetipp #booktok #frauenlesen
Faschismus fällt nicht vom Himmel. Er wächst – lei Faschismus fällt nicht vom Himmel. Er wächst – leise, alltäglich, aus der Mitte.

Victoria Wolff: „Gast in der Heimat“ – autobiografisch grundiert: eine deutsch-jüdische Ehe in einer schwäbischen Kleinstadt, während der Nationalsozialismus langsam alles durchdringt. So unaufhaltsam erzählt, dass einem schlecht wird. @arisverlag8424 

Leo Lania: „Land im Zwielicht“ – zwei Lebenswege, von der Ukraine bis Berlin, 1916 bis 1933. Zeigt, wie tief der Antisemitismus schon vor Hitler alle Gesellschaftsschichten durchdrungen hatte. 

Irmgard Keun: „Nach Mitternacht“ – 48 Stunden im Frankfurt von 1936, durch die Augen der 19-jährigen Sanna. Keuns Sprache: eine Wucht.

Davide Coppo: „Der Morgen gehört uns“ – kein Rückblick: Ein Junge aus gutem Haus radikalisiert sich heute, in Mailand, in einer neofaschistischen Gruppe. Erschreckend nachvollziehbar. @kjonaverlag @davcoppo 

Fred Uhlman: „Der wiedergefundene Freund“ – die Freundschaft zweier 16-Jähriger, ein jüdischer und ein „arischer“ Junge, zerbricht am Nationalsozialismus. Tieftraurig und trotzdem versöhnlich. @diogenesverlag 

Fünf Bücher, eine Frage: Wie wehrhaft ist unsere Gegenwart? Welches der fünf liest Du zuerst?
#bookstagram #buchtipp #exilliteratur #antifaschismus #lesenmachtglücklich
Ich behaupte gerne, dass ich keine Krimis lese. Un Ich behaupte gerne, dass ich keine Krimis lese. Und dann kommt Wolf Haas – und ich bin sofort wieder überzeugt, dass diese Regel eine Ausnahme braucht. Denn Haas schreibt keine klassischen Krimis. Er schreibt Romane mit einer Leiche, einem Ermittler und ganz viel Literatur dazwischen.

In Müll beginnt alles auf einem Wiener Mistplatz, wo zwischen Sperrmatratzen und ausrangierten Möbeln plötzlich ein menschliches Knie auftaucht. Nach und nach werden weitere Körperteile gefunden – allerdings allesamt falsch entsorgt, was die Müllmänner fast mehr empört als die Leiche selbst. Nur das Herz fehlt. Als der ehemalige Ermittler Simon Brenner, inzwischen selbst Müllmann, in den Fall hineingezogen wird, entwickelt sich daraus weit mehr als eine Mordermittlung.

Wolf Haas erzählt mit seinem unverwechselbaren Ton: lakonisch, hintersinnig und voller Sprachwitz. Seine Sätze scheinen oft nebenbei daherzukommen und treffen doch mit erstaunlicher Präzision. Zwischen skurrilen Dialogen, trockenem Humor und scharfen Beobachtungen entstehen immer wieder Momente, in denen man innehält und über Menschen, Moral und Gesellschaft nachdenkt.

Der Kriminalfall ist dabei fast Nebensache. Viel interessanter ist, was Haas über Schuld, Würde und den Umgang mit dem erzählt, was wir loswerden möchten – ganz wörtlich und im übertragenen Sinn. Dass der Roman trotz seines makabren Ausgangspunkts immer wieder zum Schmunzeln bringt, ist eine Kunst, die nur wenige beherrschen.

Wer Spannung sucht, wird sie finden. Wer Literatur sucht, erst recht. Müll ist ein kluger, witziger und sprachlich virtuoser Roman, der zufällig auch einen Mord aufklärt. @hoffmannundcampeverlag #lesetipp #bookshelf #booktok
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